The Work von Byron Katie

The Work - bewertet aus christlicher Sicht

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Schon länger liegt es mir am Herzen, die Methode The Work, die von Byron Katie ins Leben gerufen wurde, einer kritischen Betrachtung aus christlicher Perspektive zu unterziehen.

Zunächst möchte ich dir, liebe Leserin und lieber Leser, die Methode jedoch kurz erklären.

Stets geht es darum, einen stresserzeugenden Glaubenssatz wie „Ich sollte unbedingt schlanker werden“ oder „Mein Partner sollte mich mehr lieben“ auf der Basis der vier stets gleichen Fragen zu überprüfen. Diese lauten wie folgt:

  1. Ist es wirklich wahr?
  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit glauben, dass es wahr ist?
  3. Wie reagierst du, wenn du diesen Gedanken glaubst?
  4. Was wärest du ohne diesen Gedanken?
An die vier Fragen schließt sich dann ein sogenannter Turnaround an, bei dem sämtliche Pronomen ausgetauscht werden: beispielsweise wird „ich“ zu „er/sie“ oder „ihn/sie“ wiederum zu „mich selbst“. Wirklich verstehen kannst du dies am besten an einem konkreten Beispiel:
 
Bei Glaubenssätzen wie „Ich sollte mehr auf meine Ernährung achten“ oder „Ich sollte häufiger Freunde treffen“ richten die vier Fragen zunächst keinen erkennbaren geistlichen Schaden an. Es wirkt zunächst befreiend, wenn man zu der Erkenntnis gelangt, dass es gar nicht zwingend erforderlich sein muss, sich gesund zu ernähren oder man auch ohne viele rege Kontakte oder Freundschaften ein glücklicher Mensch sein kann.
 
Weswegen ich die Methode The Work dennoch für sehr gefährlich halte, möchte ich an einem Beispiel untermalen, das Byron Katie in ihrem Buch „Loving What Is“ (deutscher Titel: Lieben, was ist) erklärt. Eine junge Frau vertraut sich Byron Katie an und berichtet ihr davon, dass sie lange Zeit von ihrem Stiefvater sexuellen Missbrauch erlitten hat. Der Satz „Er hätte mich nicht misshandeln sollen“ wird nun allen Ernstes diesen vier Fragen unterzogen. 
 
Wir als Christen wissen um die biblische Weisung, die im Propheten Jesaja zum Ausdruck kommt: Niemals sollen wir das Böse gut und das Gute Böse nennen! Daher scheint es mir ein großer Schlag in die Seele der jungen Frau, sie in ihrem existentiellen Leiden und ihren tiefen Schmerz infolge der Missbrauchserfahrungen der Frage „Ist es wirklich wahr, dass er dich nicht hätte misshandeln sollen“ regelrecht zu verhöhnen.
 
Auch die anderen drei Fragen führen zum verhängnisvollen Höhepunkt der Methode, nämlich dem Turnaround. Eben ist es dir eventuell noch skurril erschienen, dass ich von einem „Austausch der Pronomen“ geschrieben habe, nun wird dir die geradezu menschenverachtende Dimension dieser Methode bewusst. Katie bittet die junge Frau, den Satz „Er hätte mich nicht misshandeln sollen“ auf diese Weise „herumzudrehen“ – mir wurde beim Anhören des Hörbuches geradezu schwindelig, und ich habe so gehofft, dass dieser widerwärtige Satz nicht kommt, aber er kam: „Ich hätte ihn nicht misshandeln sollen.“
 
Wir müssen es klar und deutlich sagen: Durch diesen Satz wird die Frau vom Opfer zum Täter gemacht. Ihr wird die Schuld und die Verantwortung für das Schlimme, das ihr widerfahren ist, zugewiesen. Sodann relativiert Byron Katie die Schuld des Täters, indem sie die tief verletzte Frau fragt, ob sie denn glaube, dass ihr Part des Erdulden des Missbrauchs angenehmer sei oder aber der Part des Täters, ihr diesen zuzufügen. 
 
Die auf diese Weise regelrecht gehirngewaschene Klientin entwickelt ein Schuldgefühl der absurdesten Art und sagt schuldbewusst, wie schrecklich es sei, dass der Täter ihr dies habe zufügen müssen und dass sein Part der vermeintlich Schlimmere sei. 
 
Auf perfide Art und Weise wird hier geradezu die gesunde Wahrnehmung der Realität dekonstruiert: Tatsache ist nämlich, dass ein Missbrauch teuflisch und bestialisch ist und durch nichts zu rechtfertigen ist. Und das Opfer trägt 0% Schuld daran. Doch in der Esoterik hört man vielerorts von der aus meiner Sicht besonders grausamen Sichtweise, dass Täter und Opfer auf der Seelenebene vor Beginn des Lebens abgesprochen hätten, dass der Täter dem Opfer großes Leid zufügt. 
 
Diese Sichtweise ist zutiefst unchristlich, denn unser Herr und Gott Jesus Christus hasst das Böse zutiefst und liebt ausschließlich das Gute, Liebevolle, Barmherzige.
 
Byron Katie wiederholt leitmotivartig, dass die Realität immer perfekt sei und dass sie die Realität liebe, ja dass diese immer perfekt sei. Doch aus unserer christlichen Sicht leben wir in einer gefallenen Welt, und obwohl unser Leben auf Erden auch viel Schönes in sich birgt, ist diese Welt mit ihrer Realität aus Krieg, Hass, Verleumdung und Missgunst, in denen Misshandlungen, Abtreibungen sowie Mord und Totschlag gang und gäbe sind, beileibe nicht perfekt. 
 
Ich habe keine Antwort darauf, wieso Gott viel Schlimmes trotz seiner Allmacht, von der die Bibel spricht und an die ich fest glaube, nicht verhindert. Aber ich bin mir zutiefst sicher, dass die biblische Weisung, unser Leben in dieser Welt in dem Sinne zu hassen, dass wir wissen, dass die Grausamkeiten dieser Welt von einer unendlich schönen Zukunft bei Gott abgelöst werden, ein Schlüssel zum Glücklichsein ist. 
 
Lasst uns daher fest an eine wirklich perfekte Realität in Gottes Reich, ja im Himmel glauben. Hier auf Erden finden wir die perfekte Realität hingegen niemals, und unter keinen Umständen sollten wir Schlimmes und Menschenverachtendes gut heißen, wie dies aus meiner Sicht in Byron Katies „The Work“ geschieht. Und niemals sollten wir durch ein Turnaround den Täter zum Opfer und das Opfer zum Täter machen.
 
Gott segne dich reich! 🙂

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Stephanie

    Danke für deine wertvolle Aufklärungsarbeit

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